Montag, 24. November 2014

Welche Trends werden (Fach-)Messen und Exhibitions beeinflussen? Teil 1

Francis J. Friedman von der  IAEE (International Association of Exhibitions and Events) hat Ende 2013 ein Whitepaper erstellt, in dem die zukünftigen Trends, die die Exhibition- und Event-Industrie beeinflussen bzw. beeinträchtigen werden.
Ich möchte in diesem dreiteiligen Blogpost auf diese 13 Trends näher eingehen:

Trend 1 - Generations
Einerseits arbeiten im Exhibitions- und (Fach-)Messen Business Altersgruppen nahe an der Ruhestandsgrenze. Ein Großteil des konservativen Messewesens sind Mitarbeiter die noch die glanzvollen Zeiten dieser Branche miterlebt haben und entsprechend diese Werte verinnerlicht haben. Es geht sehr viel um bestehende Lösungen und Tradition.
Andererseits drängen mittlerweile viele junge Nachwuchsmitarbeiter in Positionen mit Verantwortung und Entscheidungskompetenz. Diese Gruppe ist mit der neuen Art zu arbeiten, zu kommunizieren und partizipieren aufgewachsen. Themen, wie Computer Skills, der soziale Umgang mit Menschen und Ressourcen und eine andere Sichtweise von Business-Prozessen lassen eine Kluft zwischen den Generationen entstehen. Diese Kluft birgt gewisse Reibungspunkte und oftmals die Unzufriedenheit der jungen Mitarbeiter. Ideen der Jungen werden von der älteren Generation der Führungsebene oftmals falsch verstanden und dadurch nicht berücksichtigt. Dies geschieht jedoch nicht absichtlich oder sogar böswillig, sondern die Denkweise der Kommunikation und des Wandels im Business kann unter Umständen von der älteren Generation nicht impliziert werden.
Es ergeben sich notwendige Fragen, wie:

  • Wie werden junge und motivierte Mitarbeiter mit Potenzial gefunden, trainiert und motiviert, um in der Branche zu bleiben?
  • Wie zeige ich der jungen Manger-Riege, das die Face2Face Kommunikation auf (Fach-)Messen seine Berechtigung in einer digitalen Welt hat?
  • Wie lassen sich klassische und neue Kommunikations- und Werbeformen optimal miteinander verknüpfen, um das Optimum zu generieren?
  • Wie muss sich die Messewirtschaft ändern, um mit den "digitalen" Menschen Schritt zu halten?
  • Durch welche Maßnahmen können ältere und jüngere Kollegen zum gegenseitigen Austausch von Expertise ermutigt werden?
Trend 2 - Big Data
Unternehmen versuchen, so viele Informationen als möglich von ihrem Umfeld zu bekommen. Kundendaten, Lieferanten- und Mitbewerberinformationen, Marktkennzahlen usw. werden gesammelt und ausgewertet.
Der Knackpunkt ist dabei oft auf der einen Seite die qualitativ ansprechende Auswertung der gesammelten Daten und auf der anderen Seite die extremen Kosten der Sammelleidenschaft. Wie so oft, können nur große Unternehmen diese Anforderungen an die Ressourcenlandschaft erbringen. Es fehlt das Personal, die Zeit und oftmals dann auch die Ideen, diese Daten zu verwerten.
Big Data - als Trend im Exhibition Business
Messeveranstalter versuchen in diesem Sinne auch immer mehr Daten von ihren Kunden, die Aussteller zu erhalten. In der Gegenwart nutzt dafür noch die Website, Fragebögen und allgemeine Datenlieferanten (z.B. Herold in Österreich). Die Möglichkeiten sind hier natürlich noch nicht ausgenützt. War es bis dato eine Kostenfrage, quantitativ und qualitativ gutes Datenmaterial zu erhalten, wird sich in diesem Bereich in der Zukunft einiges tun. Es werden vermehrt günstigere Möglichkeiten am Markt auftauchen.

Trend 3 - Data Capture, Recording and Reporting
Im dritten Trend der Studie von Friedman geht es auch um das Thema Daten. Allerdings um die Zunahme der Bereitstellung und Aufzeichnung. Immer mehr Aussteller von (Fach-)Messen möchten vom Veranstalter Daten zu den Besuchern haben. Gleichzeitig entstehen immer mehr Anbieter von Datenaufzeichnungsmöglichkeiten. Es entstehen Unternehmen die im Bereich des Ticketing immr mehr Daten bereitstellen können, Logistiker können mehr Informationen liefern, Werbepartner zeichnen die Wirksamkeit ihrer angebotenen Leistungen immer stärker auf.
Der Grund für diese "Überwachungswut" des Besuchers, der Aussteller und Partnerunternehmen ist die Zunahme des Kostendrucks und Zunahme an Mitbewerbern des Messemarketings. Die (fach-)Messe Veranstalter stehen vor der Schwierigkeit, aus der großen Anzahl an diversen Anbietern die auszuwählen, die sowohl dem Veranstalter selbst, aber auch seinen Kunden (Aussteller) den größte Nutzen bzw. Mehrwert liefern können.
Fakt ist jedenfalls, dass die Datensammlung, Datenbereitstellung und die Auswertung der Daten immer mehr zunehmen wird. Wichtig wird aber dabei sein, nicht nur auf die Quantität der Daten zu achten, sondern eine entsprechende Qualität bereit zu stellen.

Im zweiten Teil dieser Blogreihe geht es dann um die Trends "Technology", "Social Media Marketing", "Year-Round Communities", "Experiential Trade Show" und "Non-Attendee Engagement".

Im dritten und letzten Teil befasse ich mich mit den Trends "Exhibitors", "International Trends Impacting National Exhibitions", "Internet Connectivity", "Private Events" und "Complexity". Natürlich werde ich mir ein paar persönliche Einschätzungen nicht verkneifen können ;-).

Best wishes,
Alex E.



Dienstag, 11. November 2014

Zunahme der Kommunikation - Fluch oder Segen für (Fach)Messen?

Kommunikation ist ein essentieller Bestandteil unseres Business-Alltages. Egal welches Produkt oder welche Dienstleistung angeboten wird, OHNE Kommunikation kann das nicht funktionieren. Bis vor einigen Jahren war die Kommunikation im geschäftlichen Tagesablauf aber überschaubar und in noch kanalisierten Bahnen gelenkt. Es gab die mündliche Kommunikation (Face2Face, Telefon) und die schriftliche Form (der gute alte postalische Brief und das Email; SMS war und ist im Businessbereich weniger ein Thema). Alles im allen noch für den einzelnen Menschen erfass- und bearbeitbar.
Mit dem Erfolg von Social Media (wie (Fach)-Foren (ja das zählt da auch dazu) oder Social Media Plattformen (Facebook, Twitter, Instagram, LinkedIn usw.) hat sich


  • die Geschwindigkeit der Informationsübermittlung 
  • die Menge der versendeten und empfangenen Information
  • die hohe Erwartungshaltung eines schnellen Response auf versendete Nachrichten
  • und die persönliche Absicherung durch Integration von mehreren Empfängern
drastisch erhöht. Dies führte und führt oftmals zu einem Informationsoverload bei den Empfängern und einen hohen Zeitaufwand bei den Versendern (die negativen Folgen für den Arbeitsfluss usw. lassen wir mal an dieser Stelle weg).

Folgen des Informationsoverloads
Harald Kötter  AUMA_blog schreibt auch dazu, dass sich in diesem Zusammenhang Organisationen sehr stark mit sich selbst beschäftigen, und das OHNE Zufuhr von außen. Durch interne Vermerke und Weiterleitungen ensteht so ein internes Informationssystem, das sehr viel an Organisationsressourcen verbraucht. Eine Abhilfe würden hier neue übergeordnete Regelungen schaffen, obwohl die Zunahme an neuen Informationstools wahrscheinlich höher ist, als neue Regelungen geschaffen werden können (Harald Kötter, 2014, http://blog.auma.de/wieviel-kommunikation-braucht-der-mensch/, Stand vom 11.11.2014).

DAS WESEN DER (FACH)-MESSEN

Was haben jetzt (Fach)-Messen mit der Zunahme an Kommunikation zu tun bzw. hat diese Zunahme ein Auswirkung auf das Messewesen?

Dazu muss man wissen (und das wissen sicher alle), dass Messen oder Exhibitions auf ihrem Marktplatz (Messehalle oder Messegelände) durch das Zusammenführen von Angebot (Aussteller) und Nachfrage ((Fach)-Besucher) die Kommunikation anregen. Viel mehr noch ist das Wesen einer Messe die Interaktion und Kommunikation zwischen den Marktteilnehmern. Eine (Messe)-Veranstaltung OHNE das Gespräch und die Reizaufnahme über alle Sinne würde wahrscheinlich nicht funktionieren. Messestände werden unter dem Gesichtspunkt der Kommunikation entworfen, Besucherströme werden durch eine intelligente Messestandplatzierung zum verweilen und interagieren "gedrängt".
Auch die Kommunikation vor der eigentlichen Veranstaltung ist für die Stakeholder (Besucher, Aussteller, Veranstalter u.a.) immens wichtig. Informationen werden scheibchenweise angeliefert und der Spannungsbogen wird bis zur Messe stetig vom Veranstalter und den Ausstellern aufgebaut.
OHNE KOMMUNIKATION WÜRDE DAS NICHT FUNKTIONIEREN!!

Interaktion und Kommunikation als Wesen der (Fach)-Messe
DAS DILEMMA DER (FACH)-MESSEN

Jetzt gibt es, wie oberhalb beschrieben, die Zunahme der Informationsflut im Arbeitsalltag (auch privat ist eine gravierende Informationsüberreizung zu beobachten) - es wird dadurch für alle beteiligten immer schwieriger, wichtige von weniger wichtigen Nachrichten und Informationen zu unterscheiden.
Aussteller und Veranstalter von Exhibitions bzw. (Fach)-Messen setzen aber auch auf die Kommunikation. Die Unterscheidung im Vorfeld der Veranstaltung zu anderen Informationen wird immer schwieriger. 
Es ist aber auch zu beobachten, dass Informationen über Neuheiten und Innovationen verstärkt über elektronische Medien gesammelt werden. Suchmaschinen wie "Google Search" vereinfachen in vielen Fällen die Aufgaben im Geschäftsumfeld. Die zeitliche Komponente eines Messebesuchs soll in diesem Rahmen gar nicht näher betrachtet werden, obwohl das auch ein gravierender Faktor ist. 

Damit wird die Aktivierung der Besucher im Vorfeld auch immer schwieriger!

Hat eine (Fach)-Messe bzw. die Aussteller Messebesucher auf die Veranstaltung ziehen können, wird es für die ausstellenden Unternehmen auch immer schwieriger, die Besuchergruppen auf die Messestände zu "locken" und für ihr Produkt oder Dienstleistung zu begeistern. Zu übermäßig und teilweise auch mächtig ist die Information, die die Besucher von der Produkt- und Leistungsschau abhält (Besucher erhalten auch auf der Messe Anrufe, Emails oder werden durch Social Media abgelenkt). Da sich der Mensch auf nur wenige Eindrücke und Informationen konzentrieren kann, werden oftmals Abstriche bei der Informationssammlung im Rahmen des Messebesuchs gemacht.

Fazit:
Einerseits ist die Möglichkeit, Informationen einfach, schnell und kostengünstig zu versenden eine "gute" Entwicklung im Umfeld der Kommunikation. Andererseits ist die Informationszunahme, die durch diese Einfachheit des Versenden ensteht, eine Belastung für den Menschen und die Interaktion zwischen den Individuen. 
Da Messen per se von der Kommunikation und Interaktion leben, leiden sie auch verstärkt unter dieser Informationsflut und den neu entstandenen Mitbewerbern am Markt.

Die Frage, die sich stellt ist, 

wie sich (Fach)-Messen bzw. Exhibitions in der Zukunft aufstellen und verändern müssen, um nicht ihre Daseinsberechtigung zu verlieren und im Informationsmeer unter zu gehen?

Diese und ähnliche Fragen sollen in diesem Blog behandelt werden und eventuell auch die eine oder andere Lösung entstehen.

Beste Grüße,
AE



Freitag, 7. November 2014

The future of exhibition business - Eine Startbemerkung und erster Rückblick

(Fach)-Messen, Ausstellungen und/oder wie in neudeutsch Exhibitions sind ein doch schon altes und gefestigtes Geschäftsmodell. Biete dem Markt (da meinen wir den ursprünglichen Waren- und Dienstleistungsmarkt wie es ihn schon vor Hunderten von Jahren gegeben hat) eine Plattform, wo Verkäufer interessierten "Käufern" Waren oder Dienstleistungen darbieten und verkaufen können. Die Idee hinter dieser Plattform war damals wie auch heute (wobei man für heute die Sache überdenken muss, aber dazu mehr in folgenden Blogberichten) auf einem begrenzten Platz mit einer begrenzten Zeitspanne möglichst viel Angebot und Nachfrage zu bündeln. Damals hatten die Konsumenten sehr begrenzte Möglichkeiten der Waren- und Dienstleistungssichtung aufgrund von hohen zeitlichen und finanziellen Aufwendungen um zu Produzenten zu gelangen.
Mittelalterlicher Marktplatz

Wie im Bild oberhalb zu sehen ist, besteht hier ein reges Treiben. Die Besucher kamen auch von den umliegenden Dörfern um sich die Waren, die teilweise eine lange Reise hinter sich hatten, zu bestaunen und wenn es die finanzielle Lage zugelassen hatte, auch zu kaufen. Es ging auch damals um das Darstellen von Neuheiten und Innovationen gepaart mit der Bereitstellung von Waren und Dienstleistungen des tätlichen Bedarfs.

So weit, so gut, so die Vergangenheit - im Laufe der Zeit haben sich die Möglichkeiten der Konsumenten und interessierten "Marktbesucher", aber auch der Verkäufer und Berater geändert.

Wie sieht das heute mit dem "Marktplatz" aus? Haben es Konsumenten noch notwendig, auf einen zeitlich und örtlich beschränkten "Gabentisch" zu pilgern? Egal wie groß der Plätze oder Hallen auch sind, auf und in denen Waren angeboten werden - es wird subjektiv niemals genug Auswahl sein - zu umfangreich scheint der digitale Raum zu sein, der grenzenlose Vielfalt (oft auch nur scheinbar) verspricht. Da haben Messen und/oder Ausstellungen einen vermeintlichen Nachteil - wie man glauben möchte - aber stimmt das wirklich?

Reges Messetreiben - Angebot & Nachfrage

Wie sieht das ganze im geschäftlichen Umfeld aus? Auch da gibt es eine sehr lange Tradition von analogen Fachmessen und Ausstellungen. Lieferanten zeigen ihre neuen Güter und die besuchenden Unternehmen können sich einen Überblick zu einem bestimmten Thema verschaffen. Es wurden auch immer wieder Fachmessebesucher beobachtet, die auf der Suche nach einer konkreten Lösung für ihre Probleme waren.

Eine provokante Frage: Kann sich ein Unternehmen in einer digitalen Welt noch den Luxus leisten, bis zu einer Fachmesse (egal wo und wie umfangreich und vollständig im Angebot sie auch sein möge) zu WARTEN??

Die Geschwindigkeit leitet Unternehmen an - um im internationalen und/oder globalen Umfeld zu bestehen.
INNOVATION ist bzw. WAR der Schlüssel zur unternehmerischen Glückseligkeit (die in Wachstum, egal ob Umsatz oder Gewinn) - warum WAR??



Weil man die Innovation um den Faktor GESCHWINDIGKEIT erweitern muss - nur innovativ zu sein, ist in der Gegenwart (und in der Zukunft erst recht)zu wenig.

Die Formel lautet:

Innovation / Zeit = Marktvorteil

Und hier entsteht die Schwierigkeit für das Thema Fachmesse oder Fachausstellung. Als Aussteller können noch so viele innovative Exponate ausgestellt werden, der Messestand noch so anspruchsvoll gestaltet sein und das Messestandpersonal noch so gut geschult und motiviert sein - Wenn die Mitbewerber schneller mit den Neuigkeiten im Markt waren, ist diese Runde verloren!

Gerade Fachmessen stehen dadurch vor einem gravierenden Wandel!

Was muss getan werden, um diesen "Marktplatz" seine Berechtigung im Business abzusichern? Was müssen Unternehmen machen, die diese Plattform nutzen stiftend einsetzen möchten und welche Aufgaben werden Veranstaltern abverlangt werden?

Fragen über Fragen - mögliche Antworten sollen innerhalb dieses Blogs herausgearbeitet werden. Über Inputs, Kritik und Wissensaustausch freuen wir uns natürlich. Den nur über die Zusammenführung von Wissen und Erfahrungen, kann es einen Fortschritt geben.

Bis demnächst,
Team Future of Exhibitions